Warum kann das Abbrennen von Kerzen ein Problem darstellen?
Kerzen sind nicht nur stimmungsvolle Wohnaccessoires, sondern auch eine potenzielle Quelle für Luftverschmutzung und Gesundheitsrisiken im Innenraum. Viele Menschen nutzen Duftkerzen zur Entspannung oder für eine gemütliche Atmosphäre, ohne sich der gesundheitlichen Nebenwirkungen bewusst zu sein – insbesondere, wenn sie über mehrere Stunden in schlecht belüfteten Räumen brennen.
Welche Schadstoffe werden beim Abbrennen freigesetzt?
Abhängig vom Wachs, dem Dochtmaterial und den Duftstoffen geben Kerzen folgende Substanzen an die Raumluft ab:
- Flüchtige organische Verbindungen (VOCs): Benzol, Toluol, Formaldehyd – sie können Kopfschmerzen, Schwindel oder allergische Reaktionen auslösen
- Feinstaub (PM2.5): Kann tief in die Lunge eindringen und Atemwegserkrankungen fördern
- Schwermetalle aus Dochten: Bei minderwertigen Produkten können bleihaltige Dochte zum Einsatz kommen
Gerade in geschlossenen Räumen können diese Stoffe schnell gesundheitsschädliche Konzentrationen erreichen, was besonders für Kinder, ältere Menschen und Haustiere gefährlich ist.
Welche Kerzen sind gesundheitlich unbedenklicher?
Die Materialwahl spielt eine zentrale Rolle für die Schadstoffbelastung. Im Vergleich ergibt sich folgendes Bild:
Kerzenart | Merkmale | Sicherheitsbewertung |
---|---|---|
Paraffinkerzen | Petrochemisch, günstig, weit verbreitet | Höhere Emissionen, weniger empfehlenswert |
Sojawachskerzen | Pflanzenbasiert, biologisch abbaubar | Bessere Verbrennung, weniger Rückstände |
Bienenwachskerzen | Natürlich, reinigend, teurer | Sehr schadstoffarm, höchste Qualität |
Sojawachs ist eine gute Wahl für den Alltag, während Bienenwachs die beste Option für gesundheitsbewusste Nutzer darstellt. Paraffin sollte möglichst vermieden werden.
Reicht das Lüften aus, um die Luft zu reinigen?
Viele denken, das Öffnen eines Fensters reiche aus – doch das ist ein Trugschluss. Während des Abbrennens entstehen fortlaufend Emissionen, die auch bei geöffnetem Fenster in der Raumluft verbleiben können. In der kalten Jahreszeit oder bei windstillen Wetterlagen ist der Luftaustausch oft unzureichend.
Luftqualitätsmessungen zeigen, dass VOC-Werte auch bei kurzzeitiger Nutzung schnell Grenzwerte überschreiten können. Ergänzende Maßnahmen wie Luftreiniger mit HEPA-Filter werden empfohlen.
Wie lange darf eine Kerze brennen?
Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC empfiehlt: maximal 1–2 Stunden pro Nutzungseinheit und nicht mehr als 4 Stunden am Tag. Diese Regelung dient dem Schutz vor Luftbelastung und Brandrisiken.
- Kleine Räume (unter 15 m²): max. 30–45 Minuten, danach Lüften
- Wohnzimmergröße (20–30 m²): max. 2 Stunden bei Durchlüftung
- Bad oder Fensterloser Raum: Nutzung möglichst vermeiden
Ein schwächer werdender Duft ist kein Zeichen dafür, dass die Luft rein bleibt – im Gegenteil, die Schadstoffkonzentration steigt weiter an.
Welche Risiken bestehen für Babys und Haustiere?
Sowohl Säuglinge als auch Haustiere reagieren empfindlicher auf Luftschadstoffe als Erwachsene. Katzen etwa verarbeiten ätherische Öle schlecht und reagieren oft mit Vergiftungssymptomen. Kleinkinder sind aufgrund ihrer Atemfrequenz und Lungengröße ebenfalls besonders gefährdet.
In Haushalten mit empfindlichen Personen sollte auf Duftkerzen weitgehend verzichtet oder auf alternative Produkte umgestellt werden, wie etwa geruchsfreie Varianten oder Diffusoren.
Wie hoch ist die Brandgefahr wirklich?
Laut dem Bundesverband der Versicherer entstehen in Deutschland jährlich über 1.200 Wohnungsbrände durch unbeaufsichtigte Kerzen. Häufige Ursachen: zu lange Dochte, instabile Halterungen, brennbare Deko in Kerzennähe.
- Kerzen niemals unbeaufsichtigt lassen
- Docht auf unter 5 mm kürzen
- Kerze fern von Gardinen, Papier oder Möbeln aufstellen
Ein kleiner Fehler kann gravierende Schäden verursachen. Brandschutz beginnt mit bewusstem Verhalten.
Welche sicheren Alternativen gibt es?
Wer auf Duft und Atmosphäre nicht verzichten möchte, hat folgende sichere Optionen:
- Reed-Diffuser: Duftabgabe ohne Hitze, kein Ruß
- Elektrische Aromalampen: Duftentfaltung durch sanfte Erwärmung
- Automatische Raumduftspender: Gesteuerte Abgabe per Timer
Diese Produkte sind ideal für Haushalte mit Kindern, Tieren oder eingeschränkter Mobilität. Auch hier gilt: auf natürliche Inhaltsstoffe achten.
Beispielfall: „Kopfschmerzen nach nächtlicher Nutzung“
Claudia (36) zündete regelmäßig eine Duftkerze am Abend an. Nach mehreren Wochen wachte sie regelmäßig mit Kopfschmerzen und gereizten Augen auf. Die Raumluftanalyse zeigte erhöhte VOC-Werte. Nach Umstieg auf einen Luftreiniger und geruchsneutrale Alternativen besserten sich die Symptome deutlich.
Der Fall zeigt: Selbst scheinbar harmlose Gewohnheiten können die Gesundheit beeinträchtigen, wenn sie nicht kritisch hinterfragt werden.
Fazit: Warum langes Kerzenbrennen vermieden werden sollte
- Gesundheitsrisiken durch VOCs und Feinstaub
- Erhöhte Brandgefahr bei falscher Anwendung
- Empfindliche Gruppen besonders gefährdet
- Lüften allein reicht oft nicht aus
- Sichere Alternativen stehen zur Verfügung
Kerzen können eine Wohlfühlatmosphäre schaffen – aber nur, wenn sie bewusst und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Achten Sie auf Qualität, Brenndauer und Raumlüftung, um sich und Ihre Familie zu schützen.
※ Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine medizinische oder sicherheitstechnische Beratung.